A. Glückseligkeit im Allgemeinen und im Speziellen durch Kunst
1. EINLEITUNG
Die Inspiration, die von Kunst ausgeht ist universal. Wir betrachten ein Kunstwerk. Lassen es auf uns wirken und es passiert etwas. Etwas berührt uns, wir werden vom Kunstwerk berührt. Das ist etwas Besonderes. Wir lassen uns begeistern.
Als ich noch sehr klein war, als Kind, hat mir meine Oma gezeigt, wie man mit Aquarell Abziehbilder malt. Das fand ich spannend, es hat mich fasziniert. Heute sehe ich als Erwachsener, wie mich Kunst bewegt und glücklich macht. Ich betrachte sie und der Funke springt über. So ganz genau erklären und beweisen, gerade auch naturwissenschaftlich untermauern kann man das nicht. Es ist ein wenig etwas von Zauber dabei. Wir lassen uns verzaubern von dem, was in einem Bild drin steckt. So ist die Wirkung eines Bildes auf uns nichts was prädestiniert ist, sondern durch die Betrachtungsdauer noch viel mehr verfeinert wird.
Warum uns Kunst sogar glücklich machen kann, will ich hier darlegen. Warum das fast Unglaubliche geschehen kann, obwohl wir doch als rationale Menschen oder eher vermeintlich rationale Menschen darauf gepolt sind, vernünftig zu handeln und zu entscheiden.
Die Frage danach was uns glücklich macht, hat schon viele Menschen umgetrieben. Ich will sie aus einer ganz pragmatischen wie philosophischen Perspektive betrachten. Dafür werde ich mit Aristoteles von der Eudaimonia – Lehre sprechen und gleichfalls praktische Beispiele finden, worin Glück mit Kunst bestehen kann. Und worin eben nicht.
Um dem ganzen Unterfangen noch Herr zu werden will ich vorausschicken, dass Perfektion mir ein Fremdwort ist. Ich will es gut tun Aber die 100% und mehr daraus machen zu wollen, obliegt anderen. Mir liegt vor allem daran ein Herzensprojekt zum Leben zu bringen. Darüber zu schreiben, warum Kunst als Inspirationsquelle zum Glück beitragen kann und warum Kunst in diesem Verständnis auch ein sinnstiftendes Element im Leben ist.
Dabei freue ich mich über verständige, geduldige Leser die mit offenem Geist auf das Geschriebene blicken. Noch mehr freue ich mich, wenn die Leser sich mit dem Geist des Geschriebenen anfreunden können und selbst die Initiative zur Gestaltung Ihrer Glückseligkeit mit Kunst einbringen und etwas davon in die Tat umsetzen.
Denn da geschieht etwas von dem Zauber der Kunst, wo sie uns nicht nur berührt, sondern auch durch die Inspiration zum anders Handeln bewegt oder sei es zumindest bereits in einer Änderung der Geisteshaltung. Das wäre mein Wunsch für diese Reise, die wir gemeinsam beginnen. Beginnen wir mit frischem Mut und Elan.
2. EUDAIMONIA
Der Begriff der „Eudaimonia“ ist mir zuerst während meines Philosophiestudiums begegnet. Als philosophischer Terminus ist dieser auch zu sehen, jedoch mit einem enormen „Impact“ auf das reale Leben von uns Menschen. Was genau dahinter steht und warum dies in unserem Kontext von „Kunst macht happy“ so wesentlich ist, will ich näher erläutern.
In der aristotelischen Philosophie gibt es ein zentrales Buch, das Werk: „Die Nikomachische Ethik“. Nikomachos war der Name des Sohnes von Aristoteles, gleichzeitig hieß der Vater Nikomachos. In diesem Buch beschreibt Aristoteles das Konzept der Eudaimonia, wortwörtlich übersetzt als „Glückseligkeit“.
Abzugrenzen ist die Glückseligkeit im aristotelischen Sinne vom Hedonismus, also der Maximierung von Lust als Summe der positiven und angenehmen Erfahrungen, die man als Mensch machen kann und der Vermeidung von Schmerz im Allgemeinen.
Dieses Denken spielt sich ab im antiken Griechenland, die Zeit von Aristoteles war von 384 v. Chr. bis 322 v. Chr. In dieser Lebenszeit zeigte sich der Schüler von Platon äußerst produktiv und verfasste Schriften, die weit über die Ethik hinausgehen und Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Staats- und Dichtungstheorie u.v.m. umfassen. Er war Lehrer Alexanders des Großen.
Soweit das „setting the scene“: Wir haben mit Aristoteles hier einen Philosophen, der die Menschheitsgeschichte und das Denken im Abendland entscheidend geprägt hat. Einen Philosophen, der nicht nur in der Theorie verblieben ist, sondern in der Praktischen Philosophie mit zu verorten ist, einem Zweig der für uns Heutige in der Lebenspraxis wichtige Einblicke zur Lebensführung bietet.
Die Eudaimonia als Glückseligkeitslehre ist von einer besonderen Schönheit, wie ich finde, geprägt. Sie entfaltet sich im Verlauf der Nikomachischen Ethik immer weiter und eröffnet jedes Mal neue Facetten, an denen wir uns als Leser erfreuen können.
In die Ideenwelt von Aristoteles lässt sich tief eintauchen, wer sich darauf einlässt. Auch ich habe mich damals mit ihr vertraut gemacht in München, als ich dort studiert habe an der LMU, vor über zehn Jahren.
Wir nahmen die Nikomachische Ethik durch als ein Buch, das mit seinen Gedanken anregt, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und was das gute und erfüllte Leben ausmacht.
Hierzu braucht es auch eine gewisse Lebenserfahrung und Klugheit, eine gewisse „phrónēsis“ wie es Aristoteles ausdrücken würde, denn er war davon überzeugt, dass nur die Erfahrungsgesättigten mit den Inhalten auch wirklich etwas anfangen könnten.
Für die ganz jungen Hörer seiner Inhalte sei es nicht wirklich fruchtbringend, sich mit seiner Ethik auseinanderzusetzen. Im Wesentlichen ist die Nikomachische Ethik eine Tugendlehre. Sie lehrt nicht, dass Eudaimonia ein Gefühl oder einmaliger Glückszustand sei. Vielmehr ist sie eine lebenslange Praxis, die durch Gewöhnung und Umsetzung von Wissen zustande kommt. In der Ausübung der Tugenden, die sich in der Mitte befinden sollte, gewinnen wir nämlich die charakterlichen Eigenschaften, die es braucht, um Eudaimonia zu erreichen.
Als Beispiel sei genannt die Großzügigkeit als Mitte zwischen Geiz und Verschwendungssucht. Dabei macht Aristoteles klar, dass es auch eine gewisse materielle Ausstattung mit materiellen Gütern braucht. Weitere Voraussetzungen, die sich für ihn verstehen, sind z.B. eine gute Gesundheit und Wohlerzogenheit. Die oft als „Glückseligkeit“ übersetzte Eudaimonia ist ein umfassendes Konzept für das gute Leben das über 2000 Jahre alt ist. Mit ihren Inhalten ist sie dennoch für den modernen Menschen unserer Zeit umso aktueller.
3. GEDANKEN ZUR EUDAIMONIA
In der Ausübung der Eudaimonia haben wir unseren Nachbarn „mitgenommen“ und ihn für die Ideenwelt begeistert.
Weiterhin habe ich in SENSES KUNST ein Format entwickelt, in dem ich Eudaimonia als Lebenskunst ein Forum gegeben habe, um Austausch zu den Ideen von Aristoteles zu gewinnen. Ich sehe Eudaimonia als eine Form der Lebenskunst an, um selber ein gutes und gelungenes Leben zu führen. Dieses Leben von dem ich schreibe ist nicht von wenigen Eintagsaktionen geprägt, sondern von Kontinuität. Davon, dass ich am Ball bleibe als Mensch in meinen Werdegang und in der Gestaltung des Lebens als Autor desselben.
Autor des eigenen Lebens zu sein ist daher zentral, ausgehend von der Selbstwirksamkeit als Mensch. Über Aristoteles hinaus gedacht und frei formuliert: „Ich liebe mein Leben, ich liebe es auf der Welt zu sein und verbunden mit der Welt zu sein.“
Glückseligkeit als Gedanke, der begeistert ist von einer unglaublichen Anziehungskraft und nur wenige Menschen können sich dem entziehen. Wie ein Magnet, der metallische Elemente an sich nimmt ist der Gedanke. Daher trifft die Glückseligkeitsfrage auch den Kern des Menschseins in der Tiefe an.
Die Glückseligkeit zu erlangen ist nicht einfach. Aristoteles sieht in dem Philosophen, der sein Leben der Philosophie verschrieben hat, das Ultimo der Glückseligkeit. Ich denke wir können es auch anders schaffen. Philosophie kann uns sicher darin unterstützen, gedanklich fitter zu werden und klarer zu denken. Aber ich sehe noch andere Wege am Horizont.
Den Weg der Lebenskunst durch die Ausübung der Tugenden nach Aristoteles als Grundlage und die Beschäftigung mit Kunst an sich. Mathematisch gesehen ist dann die notwendige Bedingung und Basis die Eudaimonia nach Aristoteles abzüglich der philosophischen Perfektion und die hinreichende Bedingung für Glückseligkeit die Beschäftigung mit Kunst. Wir nehmen also die Eudaimonia von Aristoteles auseinander in die einzelnen Bausteine und setzen an die Spitze der Pyramide die Beschäftigung mit der Kunst.
4. DIE GLÜCKSELIGKEIT DURCH KUNST
Wie anfangs beschrieben ist die Frage, warum Kunst uns glücklich macht, im Grunde fast unbeschreiblich. Mit Worten – also in der Theorie – zu umschreiben, was durch das „Er-Leben“ greifbar gemacht werden muss, ist alles andere als einfach. Kunsthistoriker und -experten jeglicher Couleur machen uns in Katalogen über Künstler und Kunstwerke nicht selten das einfach zu erlebende schwierig und codieren das Wissen manchmal so komplex, dass außenstehende Betrachter der Kunst oder Neulinge in der Kunstwelt davon abgeschreckt werden. Dabei sollten wir uns auf uns vertrauen, wenn wir Kunst betrachten.
Ich vertrete die Devise, dass wir ausgehend von unserer eigenen Urteilskraft auf das Kunstwerk schauen sollten, mit dem Vertrauen darauf, dass unsere visuelle Intuition und das Gefühl, das in uns über das Kunstwerk ausgelöst wird, uns leitet. Angstbefreit, vertrauensvoll.
Durch die Beschäftigung mit Kunst entsteht ein neuer gedanklicher Raum, den wir betreten. Zunächst einmal in der Betrachtung eines Kunstwerks entdecken wir das Gesehene, wir erblicken neue Aspekte von Mal zu Mal in einem Werk und können uns davor stehend hinein versenken. Der Blick wandert dabei von dem zunächst oberflächlichen Eindruck hin zu den weiteren Punkten – gerade bei großen Kunstwerken sind wir ja zunächst einmal überwältigt vom Format und nähern uns in der Schau nur mit kleinen Schritten einem visuellen Gesamtverständnis. Wir können trennen zwischen dem was wir faktisch beschreiben und dem, welches Gefühl in uns ausgelöst wird. Selbstverständlich lassen sich noch weitere Fakten zum Hintergrund hinzuziehen wie etwa die Biografiedaten des Künstlers, die für das Kunstwerk relevant sind sowie der Kontext zur Entstehung des Kunstwerks mit Blick z.B. auf das Jahr.
Ausgestattet mit den Eindrücken und einem ersten Kontext ergeben sich im Gespräch mit anderen Kunstaficionados eine Vielzahl an weiteren Aspekten, auf die wir gemeinsam blicken. So entsteht ein Kunsterlebnis das intellektuell uns als ganzen Menschen anspricht. Wir werden gefordert im Seh-Erlebnis und haben eine völlig neue Quelle des gemeinsamen Austausches, die gemeinsame Bande knüpft. Dieser „common ground“ ist die Grundlage für neue Bekanntschaften, freundschaftliche Verbindungen und Beziehungen, die ein Leben lang halten können. Insofern entsteht aus der Kunst ein wahres Glückseligkeitsmomentum von dem wir hier sprechen dürfen. Es erhebt sich wie mit Schwingen in die Luft und gleitet durch die Sphäre der Glückseligkeit.
Die Diskussionen, die daraus entstehen sind Gold wert. Denn sie offenbaren verschiedenste Perspektiven der Sicht auf die Kunst. Jede Perspektive hat dabei ihre Existenzberechtigung. Und so wie auf jedem Gebiet manche bereits sehr weit ausdifferenzierte Meinungen oder „Statements“ äußern, bringen andere wiederum die Sachen aus ihrer Sicht kurz und knapp auf den Punkt und bringen so der Sicht auf das Kunstwerk das entscheidende Vehikel zum wechselseitigen Verständnis mit. Daher ist die Meinungsfreiheit speziell zur Kunst so wichtig und auch das Vertrauen darin, sich zu trauen, seine Sicht in Worten zu äußern. Auch wenn es vielleicht manchmal Überwindung kostet.
Den Beweis, dass Kunstdiskussionen einen Wert für sich haben, erlebe ich bei SENSES KUNST immer wieder. Wir gehen in Museen, schauen uns Ausstellungen an, besuchen Galerien und erleben dort Kunst gemeinsam. Die Idee dahinter ist so einfach wie erfolgreich. Statt alleine ins Museum zu gehen, verbünden wir uns als Kunstaficionados zu einer Gruppe und besuchen Kusntmuseen gemeinsam. Während wir am Anfang zusammen sind und uns erstmal sehen, initial kennenlernen, gehen wir danach durch die Räumlichkeiten und entdecken Kunst mal alleine, mal zu zweit, mal zu mehreren. Wir bleiben vor Kunstwerken stehen, die uns faszinieren. Wir entdecken Kunst, die auch andere spannend finden und kommen so ins Gespräch. Flexibel und spielerisch entdecken wir so die Kunst, die wir interessant finden und sprechen so über das was uns anspricht und was eben nicht.
Es ist ein so einfaches wie angenehmes Konzept dahinter, das wir inzwischen in über sechzig Events seit 2022 in Frankfurt, im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus praktizieren. SENSES KUNST ist für Menschen, die Kunst lieben, so der Slogan. Klar, einfach, direkt.
Daraus sind schon viele persönliche Freundschaften entstanden. Persönliche Beziehungen haben sich gebildet und Kunst ist der „common ground“, die Basis auf dem alles Weitere entstanden ist. Kunst als Ausgangspunkt und Wegweiser für eine menschliche Beziehung hat etwas ganz Besonderes an sich. Es ist die berühmte Story, die wir innehaben, für den Anfang einer Verbindung. Die zarte Seite, die im Kern einer Beziehung ist. Wo habt Ihr Euch kennengelernt? Woher kennt Ihr Euch? Über welchen Weg seid Ihr Euch begegnet? All diese Fragen haben mit Kunst einen viel charmanteren, zauberhaften, unschuldigen Innenkern. Wieviel kostbarer ist dies wenn wir dies mit sonstigen, digitalen Wegen der heutigen Begegnungskultur in den Vergleich stellen? Ein unvergleichlicher Gegensatz offenbart sich hier.
Denn der Kunst wohnt in der Tat auch am Anfang ein Zauber inne, den wir durch die Beziehung mit uns tragen und der uns schützt und der uns hilft zu leben.
B. Orte der Glückseligkeit
5. DIE ART BASEL
Basel ist für mich als Stadt eng verbunden mit meiner Heimat, in der ich aufgewachsen bin im Südbadischen. Die Kultur und Kunst in der Stadt haben mich schon als Jugendlicher fasziniert, die Vielfalt der Museumslandschaft in der mittelgroßen schweizerischen Stadt ist beeindruckend. So kam es eben auch, dass ich neben der Fondation Beyeler und dem Kunstmuseum Basel auf die weltgrößte Kunstmesse ART BASEL gekommen bin.
Dort zu entdecken, dass ein Picasso nicht nur in einem Museum hängen kann, sondern auch in greifbarer Nähe an einem Galerie-Stand finde ich damals wie heute fast unglaublich. Die Vielfalt der Kunst, die sich dort sehen lässt, ist einfach umwerfend für Besucher. Jeder der einmal bereits dort war, kann bestätigen, wie einzigartig die Kunstmesse dort ist.
Das Publikum dort ist auch sehr spannend. Bei meinem diesjährigen Besuch der ART BASEL 2026 war bei den sommerlichen Temperaturen auch wieder eine Myriade von unterschiedlichsten Menschen in den Hallen unterwegs.
Dort in den Hallen mit Freunden unterwegs zu sein, habe ich als besonders schön und angenehm empfunden. In der „Unlimited“ – Sektion mit den überdimensionierten Hallenräumen wo Performances und Installationen vorzufinden waren waren wir auch beeindruckt von der Vielzahl dessen, was an Kunstwerken überhaupt vorstellbar ist.
6. DAS LIEBIGHAUS, FRANKFURT
Wer noch nie im Liebighaus in Frankfurt war, hat was verpasst im Leben. Es ist ein herrlicher Ort am Schaumainkai, direkt am Fluss gelegen inmitten der pulsierenden Finanzmetropole. Das Liebighaus beherbergt eine weitreichende Skulpturensammlung, die mit immer wieder neuen Impulsen überrascht, besonders antike Skulpturen sind dort zu sehen, aber u.a. auch eine ostasiatische Sammlung. Sie bietet insgesamt einen fundierten Überblick über die Geschichte der Skulptur über 5000 Jahre – aus der Zeit vom Alten Ägypten bis zum Klassizismus.
Hintergrund ist, dass der böhmische Textilfabrikant Heinrich Baron von Liebig (1839-1904) die Villa an die Stadt Frankfurt zu einem Vorzugspreis verkaufte unter der Bedingung „auf ewige Zeiten ein öffentliches Kunstmuseum“ einzurichten. Die Villa ist ein wahres Prunkstück der Gründerzeitarchitektur und wurde zwischen 1892 und 1896 errichtet.
Meine Frau und ich, hatten eines unserer ersten Dates dort und so verbinde ich bis heute mit dem Liebighaus durchwegs positive Erfahrungen. Zudem sind wir in den letzten Jahren Gast immer wieder gewesen beim Event „Secret Garden“ – einer Veranstaltungsreihe im Sommer mit kühlen Drinks, imposanter Kunst und feinen DJ-Sets. Zu dieser Veranstaltungsreihe lade ich auch immer wieder die Art Community „SENSES KUNST“ ein.
Wir freuen uns immer wieder darauf, denn das pulsierende Event belebt durch begeisternde Kunstführungen, in denen gut verständlich Kunst näher gebracht wird und nach denen man sich danach immer wieder gut austauschen kann sowie gemeinsam einen Cocktail genießen kann. Letztlich machen Events wie dieses auch die interessante Mischung von SENSES KUNST aus – nicht „nur Bilder anschauen“, sondern auch Erlebnisse teilen. Das ist mir persönlich wichtig und auch den anderen Community Membern gefällt das Format sehr gut.
7. DAS STÄDEL MUSEUM, FRANKFURT
Im Fall des Städel Museums, ebenfalls am Schaumainkai gelegen, kann ein Besuch dieses Museumsklassikers einen sogar dazu inspirieren, einen Sommerurlaub samt der Destination neu zu planen! So ist es geschehen beim Besuch der Ausstellung „Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat“. Claude Monet hat in dem französischen Ort in der Normandie wo sich Fischer und Künstler einst die Hand gaben, zu seinen Zeiten die inzwischen berühmt gewordenen Felsformationen auf Leinwand gebannt. Andere namhafte Künstler – von Eugène Delacroix und Gustave Courbet bis zu Henri Matisse – sind ebenfalls Protagonisten dieser Ausstellung.
Während eines SENSES KUNST – Besuchs des Städel Museums sind wir so auf die Idee gekommen, nach Étretat mit dem Auto in die Normandie zu fahren und dem Zauber der Landschaft auf die Spur zu kommen. Inspiration und Ausgangsquelle dieser Urlaubsplanung war tatsächlich also der Besuch einer Kunstausstellung!
Persönlich gefallen mir im Städel vor allem die Kunstwerke der Moderne und Gegenwartskunst, die man entdecken kann, wenn man in den unteren Bereich des Museums geht. Das Licht spielt hier sehr schön mit den Kunstwerken: Es sind die lichten, unterirdischen Gartenhallen. Durch Bullaugen, 195 an der Zahl, kommt das Licht.
Es sind die großformatigen Kunstwerke, die hier ihre Faszination zeigen. Beispielhaft sei genannt „Chemin: Les Portes“ von Daniel Buren, „Electric Night“ von Helmut Middendorf oder auch „Horde“ von Daniel Richter.
Auch ein Gerhard Richter ist im futuristischen Souterrain zu sehen: „Kanufahrt“, die malerische Reproduktion eines Zeitungsfotos, entstanden 1965, also ein frühes Bild des Künstlers. Aus dem Alltagsprodukt der Zeitung wird ein künstlerisches Unikat, ein spannender Umwandlungsprozess an sich.
8. FONDATION BEYELER
In der Fondation Beyeler ist meine größte Entdeckung, die ich persönlich gemacht habe Alberto Giacometti. Mich faszinieren die Walking Men – „Homme qui marche“.
Warum ist nur schwer in Worte zu fassen, auch wenn die Literatur dazu überwaltigend ist. Für mich ist es ein Mann, der geht – trotz allem was sich ihm in den Weg stellt. Trotz all dem, was manche das Schicksal nennen, das sich ihm in den Weg stellt. L’homme qui marche geht trotz allem.
Die dünnen, langen Beine, der gesamte Körper sind reduziert auf das Wesentlichste. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Leicht nach vorne gebeugte Haltung, in Gehrichtung. Absolut. Existenziell.
Daneben sind für mein persönliches Glücksempfinden selbst die großformatigen Seerosen von Claude Monet im Hintergrund, die dort in ihrer Pracht und gleichzeitig Stille auch zu sehen sind.
Wie so viele Tempel der Kunst ist auch die Fondation Beyeler architektonisch außergewöhnlich und wurde von Renzo Piano entworfen. Inmitten eines Parks in Riehen bei Basel und ausgestattet mit einem Seerosenteich, auf den man von innen einen Blick darauf hat, ist der Museumsbau ein wahres Schmuckstück.
9. Kunstmuseum Basel
Das Kunstmuseum Basel reiht sich mit ein in die glücklichen Erinnerungen, die sich mir schon als Kind und Jugendlicher eingeprägt haben. Gemeinsam mit meinem Vater gingen wir in das Kunstmuseum auf Entdeckungsreise. Führungen haben wir keine gemacht. Vielmehr war es so, dass wir vor den Kunstwerken standen und betrachtet, gestaunt haben, diese auf uns haben wirken lassen. Das hat natürlich die wohltuende Wirkung gehabt, dass ich früh mit Kunst in Berührung kam. Zum anderen war es auch sehr natürlich für mich in ein Kunstmuseum zu gehen und mir Gedanken zu einem Kunstwerk zu machen. Direkt am Rhein gelegen, war es Ziel so mancher Sonntagsausflüge. Und so prägte sich der Sonntag als der Museumstag mehr und mehr ein. Eine Gewohnheit, die mich mein Leben lang in unterschiedlichen Abständen immer wieder bis in den heutigen Tag begleitet.
C. Künstler, die glücklich machen
10. Gerhard Richter
Welche Kunst glücklich macht ist so individuell, wie der Geschmack an dem sich feststellt, welches Kunstwerk Wohlgefallen in einem auslöst, das einem zum Denken anregt oder auch einfach intellektuelle Anregung ist. Dies hingegen mit der Zeit herauszufinden und sich diesem Prozess hinzugeben ist eine der besten oder auch spannendsten Entdeckungsreisen, die wir uns vorstellen können. Geprägt von der eigenen Historie, persönlichen Erlebnissen, Lektüre und vor allen Dingen visuellen Eindrücken formt sich so sukzessive das, was uns als Glückseligkeit in der Kunst näher rückt. Schritt für Schritt, in zickzackförmigen Bewegungen, nichtlinear und immer wieder voller Überraschungen und das über lange Zeiträume der Kunstbetrachtung.
Für abstrakte Kunst konnte ich mich schon früh begeistern. Gerhard Richter ist in diesem Zusammenhang einer der Künstler, die unübersehbar auf dem Radar erscheinen. In der Strahlkraft unvergleichlich sind seine Werke der abstrakten Kunst in der Vielfalt so ansprechend wie auch widersprüchlich. Gerhard Richter will nicht, dass einem alle Kunst schön und harmonisch vorkommt.
In dem Film „Gerhard Richter Painting“ zeigt sich, wie der Künstler das Sehen neu definiert. Seine Berühmtheit mag unvergleichlich sein. Genauso ist es sein Absolutheitsanspruch bzw. der seiner Bilder. Diese sind Statements, die Bestand haben müssen – zunächst einmal und vor allem vor dem Künstler selbst. Das ist eine sehr spannende Arbeitshaltung an sich und zeigt den Ernst, mit dem Richter sich seinem Werk widmet. Es ist eine Haltung, die offenbart, dass hier voller Hingabe und Leidenschaft gearbeitet wird. Beim Verfolgen von „Gerhard Richter Painting“ würde man sich wünschen selbst auch einen Teil dieser Hingabe beim imaginären Führen des Pinsels zu führen, beim eigenen Werk, das einen tagtäglich bewegt und beim Fertigstellen des eigenen Werks, das den Namen Kunst verdient.
11. Mark Rothko
Die Bilder von Mark Rothko faszinieren mich ebenfalls. Die Flächen, die Farben. Einfach meditativ. Die Stille und Ruhe, die von ihnen ausgeht. Vor einem Kunstwerk von Mark Rothko kann ich lange verweilen und es auf mich wirken lassen. Hier kann ich mich besinnen auf das was zählt, auf das Wesentliche.
12. Cy Twombly
„Das können doch auch kleine Kinder malen“ – das könnte man durchaus manchmal hören bei Werken von Cy Twombly.
(to be continued, stay tuned)
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